Geld: Der Systemfehler des Kapitalismus.

"Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten!" - so locken die Banken deine hart erarbeiteten Moneten in ihren Tempel. Wenn du zu denen gehörst, die Geld niemals arbeiten sahen, könnte dieser Text für dich interessant sein. Wenn du Geld schonmal hast arbeiten sehen: Uns würde ein Foto davon interessieren…

Geld: Der heilige Mammon, dem wir alle hinterher rennen. Wir gehen "Geld verdienen" und nicht etwa "Urlaub verdienen" oder "Essen verdienen". Geld muß es schon sein. Aber unser Geld bringt ein "klitzekleines" Problem mit sich. Ein unscheinbares Problem, was immer größer wird, was aber oft übersehen wird: Der Zins.

Jeder von uns kennt die Freude, die um sich greift, wenn man sich vorstellt, man sei Millionär. 1.000.000 Euro auf dem Konto und läppische 5% Zinsen (bei Millionären sind die Banken weit weniger geizig als beim Kleinsparer!): Also "verdient" man ohne einen Finger krumm zu machen 50.000 Euro im Jahr. Soviel kriegen die wenigsten Menschen mit harter Arbeit!

Doch stellt sich die Frage: Woher kommen die Zinsen? Geld arbeitet nicht wirklich selbst, jemand borgt es sich und zahlt Zinsen. Die 50.000 die wir als Millionäre also kriegen würden, muß jemand anders bezahlen. Woher nimmt er diese Zinsen? Er kauft mit unserer Million Maschinen, bezahlt Leute und schlägt unsere Zinsen auf die Preise für die Produkte drauf, die er verkauft. Also: Nicht unser Geld erarbeitet mehr Geld, sondern die Menschen, die die Produkte kaufen bezahlen von ihrem Arbeitslohn unsere Zinsen. Obwohl sie also nicht einmal Schulden haben müssen, bezahlen sie die Zinsen der Millionäre. Und die Leute, die sich die Million geborgt haben, treten indirekt als Zinseintreiber auf.

Ein Beispiel: Die Deutsche Telekom zahlt 7,5% Zinsen auf ihre 64 Mrd. Euro Schulden. Das berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR). Leider hören die MDR-Leute dann auf mit rechnen, also machen wir hier mal ihren Job.
Die Telekom zahlt also ca. 4,8 Mrd. Euro Zinsen pro Jahr, wenn sie mit dem Schuldenabbau nicht hinterherkommt. Und in der aktuellen Situation fällt das der Telekom nicht so leicht. Die Telekom macht 40 Mrd. Euro Umsatz, das heißt, sie nimmt von ihren Kunden also 40 Mrd. Euro pro Jahr ein. Von diesem Umsatz muß sie die Zinsen bezahlen. 4,8 Mrd. Euro von 40 Mrd. Euro sind etwa 12%, was nichts anderes heißt, als daß jeder Telekom-Kunde 12% Zinsen auf den Betrag seiner Telekom-Rechnung bezahlt, obwohl er gar keine Schulden haben muß. Nun kann jeder mal seine Telefonrechnungen rauskramen und zusammenrechnen. Wenn jemand z.B. 100 Euro im Monat Telefonkosten hat, (bei Familien oder Internet-Nutzern kein Problem!) sind das im Jahr 1.200 Euro, 12% davon, also 144 Euro sind davon Zinsen. Um kein "Verlierer in diesem Zins-Spiel" zu sein, muß die Person also mindestens 144 Euro pro Jahr an Zinsen erhalten. Bei einem Zinssatz von 5% muß man dazu mindestens 2880 Euro angelegt haben, wer weniger hat, gehört also zu den Verlierern des Zinsspieles. Auf welcher Seite stehst du in diesem Spiel?

Nun kommt das Problem dazu, daß die Telekom ja selbst auch wieder Produkte kauft, in denen Zinsen enthalten sind. Wenn die Telekom sich von einer Elektronik-Firma ihre Vermittlungsanlagen kauft, so sind auch darin Zinsen enthalten. Die tauchen aber nicht in der obigen Rechnung auf, kommen also noch hinzu. Und da auch diese Zulieferer wieder Zulieferer haben, kann sich das ganz schön zusammenläppern.

Doch selbst dann sind wir noch nicht fertig! Denn auch der deutsche Staat zahlt Zinsen, inzwischen etwa 20 Prozent seiner sämtlichen Einnahmen! Einnahmen hat der Staat vor allem über Steuern. Und Steuern sind auch in der Rechnung der Telekom enthalten. Da ist die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer), die in jeder Rechnung ausgewiesen ist, aber unsichtbar sind z.B. die Lohnsteuern, die die Angestellten der Telekom an den Staat entrichten müssen. Diese Lohnsteuern müssen ja aber auch von der Telekom erarbeitet werden, also sind sie ebenfalls in den Preisen versteckt. Und in allen diesen Steuern sind wiederrum ca. 20% Zinsen enthalten.

Wenn du also Kunde bei der Telekom bist, zahlst du eine ganz ansehnliche Menge an Zinsen - auch wenn du gar keine Schulden hast. Und auf der Rechnung der Telekom steht leider nicht "Warnung: Diese Rechnung enthält soundsoviel Prozent Zinsen".

Nun könnte man meinen, die Telekom sein ein Ausnahmefall und vielleicht bist du ja auch gar kein Kunde der Deutschen Telekom. Doch leider ist die ganze deutsche Wirtschaft mit über 3 Billionen Euro verschuldet. Entsprechend werden die Zinsen für diese Schulden auf die Preise umgelegt. Wir alle zahlen die Schulden, die die Unternehmen haben und die Zinsen, die sie darauf zahlen müssen.
Und wir alle sind Zins-Verlierer, so lange wir nicht mindestens ebensoviele Zinsen auf unser Vermögen bei der Bank erhalten, wie wir auf diesem unsichtbaren Wege bezahlen.

Wie viel Geld müssen wir also besitzen, um kein Zins-Verlierer zu sein? Dazu müssen wir erstmal wissen, wie viele Zinsen tatsächlich in den Preisen stecken. Helmut Creutz hat sich hierzu Gedanken gemacht und kommt auf einen durchschnittlichen Zinsanteil von 30%-40%. UNGLAUBLICH?

Ein weiteres Beispiel soll zeigen, daß diese Zahlen durchaus real sind. Nehmen wir uns die Miete vor. Jemand kauft eine Wohnung um sie zu vermieten. Im Internet gibt es viele Immobilienbörsen, du kannst dir also bei Gelegenheit ein Bild machen, was Wohnungen so kosten. Wir rechnen hier einfach mal mit 150.000 Euro. Wenn jemand soviel Geld übrig hat, so hat er 2 Möglichkeiten: Entweder bringt er es zur Bank und kassiert Zinsen oder er kauft dafür etwas, was ihm Gewinn abwirft. Aber er wäre dumm, wenn das, was er kauft, nicht mindestens ebenso viel abwirft, wie die risikoarme Geldanlage auf der Bank. Wenn er also auf der Bank 5% Zinsen erhalten würde, so muß seine Investition ebenso mindestens 5% abwerfen - als Zinsersatz sozusagen.

Wenn du also 150.000 Euro übrig hättest und dafür eine Wohnung zum Vermieten kaufen willst, so muß diese Miete für deine Investition mindestens 5% Zinsen abwerfen - sonst hast du das mit dem Kapitalismus noch nicht richtig verstanden. 5% auf 150.000 Euro sind 7.500 Euro - im Jahr versteht sich. Diese Geld kommt natürlich vom Mieter, der über die Miete diesen Zins bezahlt. Mieten werden meist monatlich bezahlt, also teilen wir die 7.500 Euro durch 12 Monate und kommen auf 625 Euro pro Monat. ZINSKOSTEN. Natürlich bekommt man für 150.000 Euro eine recht schicke und große Wohnung und die kostet bestimmt mehr als 625 Euro Miete, aber selbst wenn sie "nur" 800 Euro kostet, so entsprechen die 625 Euro einem Zinsanteil von fast 80%!
Circa 80% unserer Miete, die die vielen Millionen Mieter nicht nur in Deutschland sondern weltweit zahlen, sind Zinsen. Und sie fließen denen zu, die eigentlich schon genug haben. Wer jetzt sagt "das ist doch unrealistisch, das kann man doch nicht so rechnen", der sei erneut gefragt: Würdest du dein Geld in eine Investition stecken, die weniger abwirft, als du auf der Bank bekommst?

Das "klitzekleine Problem" genannt Zins, entwickelt sich also zu einem recht großen Problem, wenn man sich die Sache mal genauer anschaut. Es sorgt dafür, daß all jene indirekt über die Preise für Produkte oder Dienstleistungen (die Miete einer Wohnung ist in dem Fall eher eine Dienstleistung) mehr bezahlen, als sie bekommen, wenn sie nicht einige hunderttausend Euro zinsbringend angelegt haben - sei es auf der Bank oder als "Investition". Über 80% der Deutschen dürften somit Zinsverlierer sein.

Hast du gedacht, die Geschichte ist damit zuende? Denk nochmal!

Es ist also so, daß die meisten Menschen viel mehr Zinsen zahlen, als sie bekommen - auch wenn sie gar keine Schulden haben. Wie sagt man so schön: "Geld ist doch nie weg, es hat nur jemand anders". Wenn die einen zuviel zahlen, müssen die anderen zuviel kriegen. Wer kriegt also die ganzen Zinsen, die der Großteil der Bevölkerung zahlt? Natürlich der andere Teil der Bevölkerung, der kleinere. Die Leute, die schon genug haben. Denn nur WEIL sie genug haben kriegen sie eben mehr Zinsen als die, die nicht genug haben. Oder kurz zusammengefaßt: Die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer. Daß wir alle ärmer werden sehen wir z.B. daran, daß der Staat die Ausgaben für die Bildung kürzt oder die Arbeitslosenhilfe oder die Gesundheitsvorsorge. Der Staat - das sind wir alle, denn es sind unsere Steuern. Und da der Staat inzwischen 20% seiner Einnahmen gleich wieder für Zinsen ausgibt (wohlgemerkt: Direkte Zinsen! Die indirekten, die er selbst über die Preise mitbezahlt von dem, was er von Firmen einkauft, sind da noch gar nicht mitgerechnet!) - also da der Staat so viel für Zinsen an die ausgibt, die schon genug haben, muß also weniger für die bleiben, die es gebrauchen könnten. Und die, die schon genug haben, investieren ihr neues Geld natürlich wieder. Sie bringen es zur Bank oder sie stecken es in die Wirtschaft - wo es aber, wie am Beispiel der Wohnung gezeigt, mindestens soviel abwerfen muß wie auf der Bank. Und das Geld, was sie dann als Zinsen kriegen, stecken sie wieder in die Wirtschaft oder bringen es zur Bank und so weiter und so fort. Sie werden also reicher und reicher und ihr Reichtum wächst exponentiell.

Es gibt mehrere Arten von Wachstum. Das menschliche Gehirn meint meistens lineares Wachstum, wenn es von Wachstum redet und das sieht ungefähr so aus, daß man jedes mal die gleiche Summe dazubekommt, also z.B. jedes Jahr 50.000 Euro. Aber durch den Zinseszins, den man dadurch bekommt, daß man die erhaltenen Zinsen wieder investiert und somit Zinsen auf Zinsen erhält, wächst der Reichtum exponentiell. Wenn wir also Millionär wären, würden wir im ersten Jahr 5% auf eine Million, also 50.000 Euro erhalten, im Jahr darauf erhalten wir aber 5% auf 1.050.000 Euro, also 52.500 Euro. Im Dritten Jahr erhalten wir also 5% auf 1.102.500 Euro, also schon 55.125 Euro. Und so geht das weiter, wobei die Zinsen nicht konstant bleiben, sondern immer mehr werden. Und je mehr es werden, umso mehr werden sie. Exponentielles Wachstum eben. Es beschleunigt sich immer mehr, je weiter es fortgeschritten ist.
Das bedeutet aber nichts weiter, als daß die Reichen immer schneller noch reicher werden - und wir auf der anderen Seite immer schneller noch mehr zahlen müssen.

Geld wandert Dank Zins und Zinseszins also immer dahin, wo schon genug davon rumliegt. Und es wird immer stärker von denen genommen, die schon sehr wenig haben. Wundert es uns da noch, daß es auf der einen Seite trotz "Wirtschaftskrise" immer mehr Millionäre gibt und auf der anderen Seite die Sozialsysteme immer mehr leiden müssen?

Die Wirtschaft fordert heute von uns, wir sollen länger arbeiten, weil da ja "diese Krise" ist. "Diese Krise" heißt aber nichts weiter, als daß wir "nur" genausoviel produzieren wie im letzten Jahr. Unsere Wirtschaft wächst nicht mehr, das bedeutet aber, daß wir alle zusammen eigentlich nicht weniger haben, sondern eben nur das gleiche. In Zahlen ausgedrückt: Die Deutschen produzieren Güter und Dienstleistungen im Wert von 24.000 Euro pro Kopf im Jahr. "Pro Kopf" heißt hier aber vom Säugling bis zum Rentner!

Es entstehen 2 Fragen:
1. Wie soll die Wirtschaft wachsen, wenn durch Lohnsenkungen (länger arbeiten bei gleichem Lohn ist nichts anderes als eine Lohnsenkung!) die Leute für ihren Lohn immer weniger kaufen können?
2. Warum soll unsere Wirtschaft eigentlich noch wachsen, wo wir doch 24.000 Euro pro Kopf haben. Offenbar ist das Land doch reich genug, es wird durch Zins und Zinseszins nur falsch verteilt: Die Reichen kriegen noch mehr, die Armen immer weniger.

Die ganzen Güter und Dienstleistungen, die die Menschen produzieren, werden zusammengerechnet und dann wird geteilt: Die Arbeiter kriegen den Lohn für ihre Arbeit, nennen wir das Arbeitseinkommen. Die Leute, die das Geld für die Investitionen zur Verfügung gestellt haben, kriegen den Lohn für ihr Kapital: Die Kapitaleinkommen. Belohnung für Geld ist aber nichts anderes als Zins. Ob man nun Wohnungen kauft oder Maschinen - das Geld muß mindestens soviel abwerfen wie es das durch Zinsen auf der Bank täte. Nun haben wir aber festgestellt, daß der Reichtum der Reichen exponentiell wächst. Also wachsen auch die Kapitaleinkommen exponentiell.
In unserer "Wirtschaftskrise" produzieren wir aber nur genausoviel wie im Jahr davor. Also dürften wir das, was wir haben, nur wieder genauso aufteilen wie im Jahr davor: In Arbeitseinkommen und Kapitaleinkommen. Aber die Kapitaleinkommen, also die Entlohnung für die Bereitstellung für Geld bzw. Kapital, wachsen dank Zins und Zinseszins immer weiter, niemand hat diese Automatik abgestellt. Wenn die Kapitaleinkommen also weiter wachsen und die Gesamtwirtschaft tut es nicht, müssen die Arbeitseinkommen, also die Entlohnung für echte Arbeit, also kleiner werden. Und damit das nicht passiert, muß unsere Wirtschaft wachsen, wachsen, wachsen. Sie unterliegt einem Wachstumszwang, wenn nicht breite Teile der Bevölkerung weniger haben sollen als im Jahr zuvor. Doch dieses exponentielle Wirtschaftswachstum kann nicht in alle Ewigkeit funktionieren, weil unsere Erde ist auch nicht unendlich groß, woher sollen also all die Rohstoffe kommen und wer soll den ganzen Mist kaufen? Und manchmal, so wie in der jetzigen Wirtschaftskrise, wächst unsere Wirtschaft einfach nicht mehr - und wir produzieren "nur" das gleiche wie wir schon letztes Jahr produziert haben.
Und das ist der Grund, weshalb wir unsere Sozialsysteme demontieren, länger arbeiten sollen, weniger Feiertage haben sollen, uns privat krankenversichern sollen, Lohneinbußen angedroht werden und so weiter und so fort.

"Das kann doch gar nicht sein, so einfach ist das doch alles gar nicht" höre ich schon einige Leser schreien. Ach ja? Wenn ein Mensch jedes Jahr dasselbe produziert, geht es ihm dann jedes Jahr schlechter als im Jahr zuvor? Wenn eine Gruppe an Menschen jedes Jahr dasselbe produziert, geht es der Gruppe dann jedes Jahr schlechter als im Jahr zuvor? Unsere Wirtschaft ist eine sehr große Gruppe an Menschen und wir produzieren jedes Jahr dasselbe wie im Jahr zuvor - nein, eigentlich produzieren wir seit Jahren und Jahrzehnten immer etwas mehr als zuvor - und jetzt soll es uns plötzlich einfach so schlechter gehen? Das passiert nur dann, wenn innerhalb der Gruppe an Menschen eine Teilgruppe mehr bekommt und die andere entsprechend weniger.
Und genauso ist es in unserem Wirtschaftssystem: Dank Zins und Zinseszins bekommen all jene immer mehr, die schon sehr viel haben. Und bezahlen müssen das die ganzen anderen.

Doch Schluß mit dem Jammern!
Wenn ein Auto nicht mehr funktioniert, schaut man, woran es liegt und behebt das Problem. Wenn ein Computer nicht mehr funktioniert, installiert man im schlimmsten Fall das Betriebssystem neu. Das wichtigste, um ein Problem zu beheben, ist zu wissen, wo die Ursachen für das Problem liegen. Die Umverteilung von Arm zu Reich, immer wiederkehrende Wirtschaftskrisen, der Wachstumszwang unserer Volkswirtschaft - das alles sind indirekte Auswirkungen des Zinses - so klein dieser Zins auch sein mag. Wenn man es schafft, den Zins "wegzumachen", dann würden all diese Auswirkungen aufhören.

Im islamischen Raum gilt es noch heute und im christlichen existierte es sehr lange: Das Zinsverbot. Gläubigen war es verboten, Zins zu nehmen - man könnte meinen, die Kirchen wußten um die Gefahren, die vom Zins ausgehen. Doch den Zins einfach zu verbieten funktioniert nicht, denn dann würde niemand mehr Geld verborgen. Firmen, die kurzzeitig Zahlungsschwierigkeiten haben, würden Pleite gehen, obwohl ein kleiner Kredit ihnen über die kurze Krise hinweghelfen würde. Großprojekte, wie Kraftwerke oder Hochhäuser würden nicht finanziert werden können, weil dafür immer das Geld vieler Leute nötig ist. Ein Zinsverbot funktioniert also nicht.

Doch bereits Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich ein Mann namens Silvio Gesell Gedanken zu dem Thema gemacht und eine relativ einfache Lösung gefunden. Sie ist schon fast so einfach, daß die meisten Menschen sagen "wenn es so einfach wäre, wäre sicher schonmal jemand drauf gekommen". Klar, Silvio Gesell ist drauf gekommen. Leider werden seine Theorien derzeit weder an Unis gelehrt oder auch nur diskutiert noch finden sie in der Politik oder in der Wirtschaft groß Beachtung - und das, obwohl einer der "großen Ökonomen", John Maynard Keynes, meinte, die Welt könne von "Silvio Gesell tausend mal mehr lernen als von Karl Marx".

Silvio Gesell schlug vor, Geldbesitzer müssen "Lagerkosten" auf ihr Geld bezahlen, wenn sie es nicht ausgeben. Realisiert werden soll das, indem man z.B. einmal monatlich eine Marke kaufen muß und diese als "Entwertungsnachweis" auf den Geldschein kleben muß. Die Marke kostet z.B. 0,5% des Geldschein-Wertes, also bei einem 10-Euro-Schein kostet sie 5 Cent. Bei einem 100-Euro-Schein 50 Cent. Erst wenn diese Marke draufklebt, hat der Schein seinen vollen Wert.

Was würde passieren? Jeder, der Geld hat, wäre bemüht, es vor dem Monatsende auszugeben. Da wir alle den Großteil unseres Geldes für Miete und essen und Kino usw. ausgeben, sind wir den Großteil unseres Geldes sowieso los. Den Rest sparen wir meist - gegen Zins auf der Bank. Doch wenn es plötzlich Geld kosten würde, wenn wir unser Geld zuhause horten, so würden wir es zur Bank bringen mit den Worten: "Ich will nichtmal Zins, ich will nur genau dieselbe Summe zurück, die ich einzahle". Jeder würde also, um der Gebühr zu entgehen, Kredite für 0% vergeben. Der Zins wäre also nicht "weg", er wäre auf 0% gesunken.

"Da kann ich ja nichts mehr sparen" ist der ablehnende Ausruf derjenigen, die meinen, gute Ideen mit einer Sekunde Nachdenken über den Haufen werfen zu können. Wenn du 1000 Euro zur Bank bringst, und du kriegst in 10 Jahren 1000 Euro wieder, kannst du wohl etwas sparen. "Aber dann komme ich ja schlechter weg, weil ich keine Zinsen mehr kriege": Nein, du kriegst auf deine paar Kröten keine Zinsen mehr, aber du mußt auch auf die ganzen Sachen, die du kaufst, keine Zinsen mehr bezahlen! Dein Vermieter steht plötzlich vor der Wahl, 150.000 Euro zu einem Null-Zins auf die Bank zu bringen oder sie zu einem Null-Zins plus ein bißchen in deine Wohnung zu stecken. Wieviel Zinsen würdest du also allein in deiner Miete sparen? Wenn man Helmut Creutz' Berechnungen nimmt, hätte der Großteil der Menschen plötzlich 30% mehr Geld in der Tasche - Geld, welches nicht mehr automatisch zu den Reichen fließt, sondern bei den Menschen verbleibt, die es brauchen können und die es erarbeitet haben.

Es gibt sicherlich für den einen oder anderen Denker hier noch einige Problempunkte, die auftauchen ("das muß dann aber weltweit passieren" oder "wie läuft das denn mit Bankkonten, auf die kann ich schlecht Marken kleben") - doch die einfachsten dieser Probleme sind längst von vielen Menschen durchdacht worden - und für lösbar befunden worden. Denn Fakt ist: Der Zins sorgt für eine riesige Umverteilungsmaschine vom Arm zu Reich und man sollte sich nicht von auftauchenden Problemen abhalten lassen. Denn für die meisten Probleme gibt es entweder eine Antwort bzw. Erklärung oder eine Lösung.
Allein die Aussicht sollte Optimismus verbreiten: Jeder arbeitende Mensch hat 30% mehr in der Tasche… lohnt es dafür nicht, sich ein bißchen mit dieser Idee zu befassen?

regionales-wirtschaften.de
Systemfehler.de
Geldreform.de
INWO

Ein erklärender Zusatz mit offenen Worten: Man sollte verstehen, was die obigen Informationen bedeuten. Sie bedeuten, daß 90% der Bevölkerung 30-40% ihre Lebensarbeitszeit damit verbringen, die übrigen 10% der Bevölkerung (die Reichen!) noch reicher zu machen. Sie bedeuten, daß wir Teil eines riesigen Umverteilunssystems sind, ja man kann von Sklaverei sprechen, denn wir können uns nicht aussuchen, ob wir an diesem Spiel teilnehmen wollen oder nicht. Wir sind Teil der Wirtschaft, also zahlen wir Zinsen. Und da wir (also die 90% der Bevölkerung) dafür arbeiten müssen, leben wir eine sehr lange Zeit für den Reichtum von Menschen, denen wir nie begegnen werden, weil sie genug Geld haben, sich mit Sicherheitsfirmen von uns abschotten zu lassen.
Es bedeutet weiterhin, daß sämtliche Diskussionen in der Politik, wer wo wieviel einzusparen hat, sei es bei Bildung, Arbeitslosigkeit, Sozialausgaben, Krankenversicherung usw. nur der vergebliche Versuch ist, dem exponentiellen Wachstum der Geldvermögen gegenzusteuern. Aber das geht nicht, denn je größer die Vermögen werden, umso mehr Kraft haben sie, weiteres Vermögen anzuziehen. Man fragt sich manchmal, ob die Politik nicht nur die Show ist, die uns davon ablenken soll, selbst nachzudenken oder ob die Politiker wirklich so blind sind.
Es bedeutet aber auch, daß eines Tages - wenn nichts Bedeutsames dazwischenkommt, was wir aber stark hoffen sollten - einer Person ALLES gehört.
PS: Und die bis hierher genannten Überlegungen sind nur die Spitze des Eisbergs! Der "kleine, süße Zins" ist nur der rote Faden, der in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus führt, vorbei an Wirtschaftskrisen, Arbeitslosigkeit, Inflation, Umweltzerstörung und Krieg. Unglaublich, aber leider wahr…


28.06.2003 - ylt